Heute in einer Woche fährt uns der Zug in ein neues Abenteuer. In ein Abenteuer, wie wir ein größeres noch nie erlebt haben. In Spanien? Nein. In Frankreich? Auch nicht. Dieses Jahr geht es in den Osten- in die Slowakei.
Sieben Pilgerstäbe, aus Norwegen, Polen und Slowenien, geschmückt mit Muscheln und bunten Bändern, getragen durch Europa bis nach Spanien, bis nach Santiago de Compostela, von zahlreichen verschiedenen Pilgern, über Grenzen hinweg, durch Regen, Sturm und Sonnenschein. Das ist die Pilgeraktion „Europa Compostela“ zum Heiligen Jahr 2010. Und ich war dabei.
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Erschöpft, aber glücklich lande ich nach einer langen Zugreise am Mittwochabend in Leipzig. Fünf Tage habe ich mit zwei Freundinnen in der slowakischen Hauptstadt Bratislava einen Kurzurlaub verbracht. Nun wird es gleich auf die nächste Reise gehen. Nachdem mein erster Pilgerversuch im März an kalten Schneemassen scheiterte, freue ich mich, über die Ostertage zum zweiten Mal in diesem Jahr die Wanderschuhe zu schnüren.
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Kehrt der März in das Land, so rechnet man damit, dass bald auch der Frühling kommt. Und so plane ich meine erste Pilgerreise des Jahres 2010 für die erste Märzwoche. Ich freue mich, nach dem Unistress und anderen Umbrüchen wieder zur Ruhe zu finden, Natur zu erleben, jeden Tag draußen und in Bewegung zu sein. Was ich noch nicht weiß: Die Tage werden so eisig kalt, dass sogar das Wasser in meiner Flasche gefriert.
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Wir frühstücken zu dritt und fotografieren um die Wette. Ich verfasse einen metaphorischen Gästebucheintrag und verabschiede mich von der wohl letzten Pilgerherberge in diesem Jahr. Bald geht mein Studium weiter und so langsam muss ich mich darauf einstellen, den Pilgergeist in die Winterpause zu schicken. Auf welchem Weg ich wohl nächstes Jahr landen werde? Wieder in Frankreich? Oder gar in Spanien?
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Auch am Morgen erhalte ich Besuch von Werner. Er bringt mir Frühstück und nennt mir bei der Verabschiedung die Antwort auf die Frage des gestrigen Abends. (Die ich natürlich für alle noch folgenden Pilger nicht verrate.)
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Ich erwache aus einem so erholsamen Schlaf, wie ich ihn schon lange nicht mehr hatte. Annähernd zwölf Stunden dauert meine Nacht, die zudem völlig mückenfrei ist. Das Frühstück im Innenhof wird durch die Theatervorstellung eines Igels, welcher der Hauskatze das Essen wegschlürft, versüßt.
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Ich fühle mich großartig, wieder auf dem Weg zu sein. Es ist ein herrlicher Morgen, und schon bald warten die ersten Pflaumen darauf, meinen Magen von innen zu sehen. Freundlich, wie ich von Natur aus bin, gewähre ich ihnen diesen Wunsch selbstverständlich auf der Stelle.
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Als pilgerliche Frühaufsteherin übernehme ich die Rolle der Brötchenholerin. Ich erweitere diese Aufgabe mit einem kleinen Spaziergang durch die Gegend und nehme mir beim Anblick von Sportlern im Park fest vor, in Leipzig ebenfalls wieder joggen zu gehen.
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Susanne, meine Mitpilgerin, wird vor mir wach und verlässt das Zimmer, um zu frühstücken. Ich hingegen lasse mich zuerst von der Sonne begrüßen, die langsam und feuerrot über den Feldern aufgeht. Sie strahlt. Sie weiß etwas, das ich noch nicht weiß, aber schon nach dem Frühstück erfahren werde, sobald ich meinen Weg fortsetze.
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