Ich erwache aus einem so erholsamen Schlaf, wie ich ihn schon lange nicht mehr hatte. Annähernd zwölf Stunden dauert meine Nacht, die zudem völlig mückenfrei ist. Das Frühstück im Innenhof wird durch die Theatervorstellung eines Igels, welcher der Hauskatze das Essen wegschlürft, versüßt.
Dass der Hund in der Hütte wie verrückt bellt, bringt den kleinen Stacheligen keineswegs aus der Ruhe. Erst, als ihm die Katze auf die Schliche kommt, versteckt sich der Igel unter dem Kaninchenstall.
Naschigel
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Gegen Mittag erreiche ich Kamenz, erklimme den Hutberg und mache oben angelangt Bekanntschaft mit zwei Radpilgerinnen, die mich nach dem Weg fragen und später auf Richtung Schwosdorf überholen. Ob wir uns in Königsbrück wiedersehen werden? Ich würde mich freuen, aber es wäre auch nicht schlimm, wenn ich allein im Armenhaus übernachten würde. Ich fühle mich gut mit mir, von Einsamkeit keine Spur.
Traumhafte Wege durch den Wald folgen. Am Ende des Forstes hinter Schwosdorf steht ein einzelner, großer Kastanienbaum. Der Weg ist voll von glänzenden rotbraunen Kastanien. Ich möchte weitergehen, habe schließlich noch ein ganzes Stück Weg vor mir und bin relativ spät aufgebrochen. Doch kann ich die Kastanien einfach so traurig auf dem Weg liegen lassen? Schon setze ich Frieder am Wegrand ab, lese alle Früchte des Baumes zusammen und werde kreativ. Eine Stunde auf dem Pilgerweg, eine Stunde Leben.
Jedem, der den ökumenischen Pilgerweg geht, empfehle ich das Armenhaus Stenz als Herberge. Es ist nicht nur das Haus, das meinen Abend so besonders macht, sondern vor allem der Herbergsvater Werner, der mich am Abend in der Küche besucht. Bei Kerzenlicht unterhalten wir uns, erzählt Werner aus der Geschichte des Hauses, in dem ich heute übernachte, und aus seinem Leben, stellt er mir Fragen, über die ich später noch im Strohbett nachdenke.
Armenhaus Stenz
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