Heute in einer Woche fährt uns der Zug in ein neues Abenteuer. In ein Abenteuer, wie wir ein größeres noch nie erlebt haben. In Spanien? Nein. In Frankreich? Auch nicht. Dieses Jahr geht es in den Osten- in die Slowakei.
Europäischer Fernwanderweg E 8
Vom Duklapass über die Niedere Tatra, durch die Kleinen Karparten bis nach Bratislava- das ist unser Weg für August und September. 739 Kilometer durch Berg und Tal, Regen und Sonnenschein wird die kleine Pilgerfamilie 2010 zurücklegen.
Die kleine Pilgerfamilie- das sind Anika und ihr Freund Niklas mit ihren beiden Rucksäcken, dem lustigen Frieder und dem Blinden Jack, der keine Augen hat und deswegen nichts sehen kann.
Pilgerrast auf dem Weg nach Merseburg
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Alles begann mit der wunderbaren Tatsache, im Sommer 2010 komplett zwei Monate Semesterferien zu haben. Die wollte ich natürlich ausnutzen- und das als Pilgerin. Es dauerte nicht lange, bis mir Santiago in den Sinn kam. Bei zwei Monaten Zeit könnte ich sogar in Le Puy-en-Velay beginnen und ein bereits bekanntes Wegstück gehen. Doch schon nach wenigen Recherchen stieß ich auf den Fakt, dass 2010 ein Heiliges Jahr sein würde, das noch mehr Pilger als sonst nach Spanien zieht. Wollte ich mir den Kampf um einen Schlafplatz in den Herbergen und diese Massen wirklich antun? Nein.
Mit dem Entschluss, irgendwann in den folgenden Jahren nach Santiago de Compostela zu pilgern, drehte ich Spanien den Rücken zu und blickte in den Osten, dorthin, wo die Sonne aufgeht. Im September hatte ich begonnen, slowakisch zu lernen. Gab es nicht vielleicht einen Fernwanderweg, der einige Hundert Kilometer durch die Slowakei führt? Noch einmal recherchierte ich und lernte somit den E 8 kennen. Bereits im Dezember stand mein Plan fest: Ich pilgere von der polnischen Grenze durch die Slowakei bis nach Bratislava.
Mit diesem Entschluss trat in mein Leben eine Wende.
Ich lernte Niklas kennen, einen Studenten, der mit mir den Slowakischkurs besuchte. Er zeigte nicht nur bloßes Interesse an meinem Vorhaben- während ich noch für die Prüfungen lernte, beschaffte er mir Informationen, fand eine Internetseite, die ähnlich wie Google-Maps slowakische Wanderwege und damit auch den E 8 erfasst und meinte schließlich in der letzten Unterrichtsstunde, dass er Lust hätte, auch mitzukommen.
Bald spürten wir beide, dass wir nicht nur gemeinsam pilgernd durch das Leben gehen wollten und wurden ein Paar.
Im März fuhr ich mit zwei Freundinnen nach Bratislava, die verhältnismäßig kleine, aber sehr gemütliche Hauptstadt der Slowakei. Zwei Monate später pilgerte ich mit Niklas vier Tage von Leipzig nach Naumburg. Nun geht es in einer Woche zurück in den Osten.
Sehenswürdigkeit in Bratislava:
Der “Glotzer”
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Am 30. Juli beginnt unsere Zugreise. Unsere erste Etappe pilgern wir am Sonntag, dem 1. August. An diesem Tag liegt meine erste Pilgerreise, die mein Leben um so viele schöne Augenblicke bereichert und mit der alles begonnen hat, genau drei Jahre zurück. Zwar wird uns keine Muschel den Weg weisen, und richtige Pilgerherbergen wird es auch nicht geben, vielmehr einfache Wanderhütten und Zeltplätze, vielleicht auch einmal ein altes Ehepaar, das Erbarmen mit uns hat, wenn wir keinen Schlafplatz finden. Denn draußen schlafen kann gefährlich werden, wenn man nicht anstrebt, als Bärenfutter zu enden.
Aber die Richtung Santiago und das Wesen des Pilgerns, stets unterwegs zu sein und Vertrauen zu haben, stimmen. So legen wir auch großen Wert darauf, nicht nur von den Slowaken Pilger und nicht Wanderer genannt zu werden.
Wenn wir im Herbst zurück nach Deutschland kommen, möchte ich meine Erinnerungen wieder in einem Buch niederschreiben. Es soll ein Familienerbstück werden, aus dem ich vielleicht einige Ausschnitte auf dieser Seite veröffentlichen werde.
Bis dahin wünsche ich allen Lesern einen schönen Sommer und ein herzliches Ultreya bei all euren Zielen!
Anika und Frieder, der lustige Rucksack, mit Niklas und dem Blinden Jack


Alles Gute für die lange, lange, lange … Pilgerreise. Ich bewundere dich für diesen Mut, liebe Anika, und wünsche dir viele tolle Erlebnisse und Erfahrungen. Komm(t) gesund zurück. Ich freue mich, ab und zu hier mal was zu lesen.
Liebe Grüße
Steffi B.